Im Klassenzimmer wächst der Unternehmergeist
Sie heißen Schülerzauber, Flotte Speiche, Stift und Stulle, Garten Crew oder Baumeister: Die Schülerfirmen im Osnabrücker Land tragen Namen, die ebenso einfallsreich sind wie ihre Geschäftsideen.
Auf einer eigenen Messe „WIR AG“, zu der der Landkreis Osnabrück eingeladen hatte, zeigten die jugendlichen Unternehmer jetzt diese und viele andere Leistungen.
In den Klassenzimmern wachse Einsatzfreude und Unternehmergeist, sagte Landrat Manfred Hugo zur Eröffnung der Messe. „Das wirft ein gutes Licht auf die Schulen und beweist, wie tüchtig hier in den Bereichen Bildung und Berufsvorbereitung gearbeitet wird.“ Er freue sich ganz besonders über die Mitwirkung regionaler Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Veranstaltung. „Schließlich geht es in der Schülerfirmenarbeit um die von Personalverantwortlichen in Ausbildungsbetrieben so häufig angemahnte Förderung von Ausbildungsreife,“ so der Landrat.
Viele der rund 50 Firmen in Landkreis und Stadt Osnabrück gehören inzwischen zur festen Größe an ihrer Schule und haben gute Kontakte zu regionalen Unternehmen. Was ende der neunziger Jahre überwiegend an den Hauptschulen begann, schätzen mittlerweile auch Realschulen, Gymnasien, Förderschulen und Berufsbildende Schulen als ideale Vermittlungsform für praktisches Wirtschaftswissen. Die WIR AG - Initiative, ein Projekt des Landkreises Osnabrück, unterstützt seit Jahren dieses berufsvorbereitende Engagement in den Schulen. „Wir sind stolz darauf, dass die hiesigen Schülerfirmen sich längst einen Namen gemacht haben, sogar landesweit,“ betonte Hugo.
Die Jugendlichen der Paul - Moor - Schule in Bersenbrück schildern ihre Firmengeschichte zum Beispiel so: „Seit 1997 stellen Schüler der Abschlussstufe kleinere Produkte her. Im Jahr 2004 wurde dann unsere offizielle Schülerfirma gegründet. Im Rahmen eines Wettbewerbes entschieden wir uns für den Namen Schülerzauber.“ Bei der Herstellung der Artikel wie Glückwunschkarten, individuelle Geschenkverpackungen oder auch Marmeladen entwickelten die Jugendlichen Vielseitigkeit und Selbstbewusstsein. Inzwischen hat die Firma sogar einen formellen Geschäftsplan, ein eigenes Logo sowie einheitliche Hemden und Kappen für alle Mitarbeiter. Logisch, dass den jungen Leuten während der Messe der Stolz auf ihre Arbeit deutlich anzumerken ist. „Wir freuen uns sehr, wenn wir andere Schülerfirmen kennen lernen und den Leuten unsere Produkte vorführen können,“ sagt der 19jährige Kevin.
Als intelligente Verknüpfung von Lernen und Arbeiten lobte der Erste Kreisrat des Landkreises Osnabrück, Dr. Reinhold Kassing, die Gründung von Schülerfirmen: „Es ist schon großartig, was für engagierte Leute wir im Landkreis haben,“ sagte Kassing. „Ganz hervorragend finde ich zum Beispiel die Idee der beiden Schülerfirmen Flotte Speiche und Fahrradsalon, während der Messe eigenhändig in Stand gesetzte Gebrauchträder für einen guten Zweck zu versteigern.“ Schülerfirmenarbeit sei eine hervorragende Vorbereitung auf die Zeit nach der Schule. „Junge Menschen lernen nicht nur unternehmerische Strukturen kennen, sondern werden auch für soziale Belange sensibilisiert,“ so der Erste Kreisrat.
Das weiß auch der Pädagoge Johann Minneker, der lange die Hauptschule in Dissen geleitet und eine der ersten Schülerfirmen überhaupt mit aus der Taufe gehoben hat. Er ist nach seiner Pensionierung dem Thema treu geblieben und vertritt ein praxisorientiertes Programm, das NFTE heißt und in Amerika entwickelt wurde. „Das Netzwerk bietet Lehrkräften einen neuen Ansatz, ihre Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 zu motivieren, sich mit den Anforderungen der Arbeitswelt auseinanderzusetzen und in den Prozess der persönlichen Berufsorientierung einzutreten,“ sagt Minneker. Denn neben Kostenrechnung und Vermarktungsstrategien ginge es um wichtige soziale Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Während Zahl und Qualität der schulischen Projekte zunehmen, finden sie bei ihren großen Vorbildern aus der Wirtschaft immer mehr Anerkennung. So zum Beispiel bei Getränkeunternehmer Ludwig Semmelmann aus Georgsmarienhütte. Er gestaltet als Unternehmenspate der Schülerfirma Coole Schule seit Jahren viele gemeinsame Aktivitäten. Dazu gehört das Üben von Warenvorlage und Kundenkontakt, aber auch die Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche. Semmelmann bekräftigt die positiven Erfahrungen mit den Schülern: “Diese Arbeit lohnt sich, denn Jugendliche gewinnen ein gutes Auftreten und erstaunliches Selbstbewusstsein.“ (Bild- und Textquelle: Landkreis Osnabrück)
Foto: Erster Kreisrat Dr. Reinhold Kassing und Landrat Manfred Hugo informieren sich vor Ort
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