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WIGOS und KH informierten zu Corona im Unternehmen

Zu einer Online-Informationsveranstaltung für Unternehmen mit Corona-Fragen luden die Wirtschaftsförderung des Landkreises Os-nabrück (WIGOS) und die Kreishandwerkerschaft Osnabrück (KH). Dr. Gerhard Bojara und Peter Tenhaken vom gemeinsamen Gesundheitsdienst Landkreis und Stadt Osnabrück informierten die mehr als  50 Teilnehmenden.

Dr. Gerhard Bojara (oben links) und Peter Tenhaken (unten links) vom gemeinsamen Gesundheitsdienst Landkreis und Stadt Osnabrück beantworteten die von Moderatorin Sandra Schürmann zusammengefassten Teilnehmerfragen.
Foto: WIGOS / Eckhard Wiebrock

 

„Wir wollen eine Veranstaltung für die Praxis machen“ erklärte KH-Hauptgeschäftsführer Thorsten Coch bei seiner Begrüßung. Die handfesten Ergebnisse zeigten: Dies ist gelungen. Sandra Schürmann von der WIGOS moderierte den Talk. Sie interessierte sich zunächst für die grundsätzliche Einschätzung von Dr. Gerhard Bojara, Leiter des Gesundheitsdienstes, und Peter Tenhaken, Leiter der Abteilung Infektionsschutz. „Die Situation ist nach wie vor ernst und wir haben vermehrt schwere Krankheitsverläufe auch bei jüngeren Menschen“, erläuterte der Leiter des Gesundheitsdienstes. Während man im Laufe der ersten Pandemiewelle den kritischen Engpass vor allem bei der Intensivbettenzahl und den Beatmungsgeräten sah, rücke jetzt vermehrt die knappe Ressource Personal in den Fokus. „Eine Intensivbetreuung geht nur in voller Personalstärke“, so Dr. Bojara. „Viel Menschen haben sich leider nicht daran gehalten, die Kontakte zu minimieren“, ergänzte Tenhaken. Das Ergebnis sei der nach wie vor hohe Infektionsstand.

 

Fragestellungen von A bis Z

 

Die Bandbreite der im Folgenden beleuchteten Fragestellungen reichte vom richtigen Verhalten im Falle von Infektionen im Betrieb, über Quarantäneregeln für mögliche Infizierte bzw. enge Kontaktpersonen, bis hin zum Thema Verdienstausfall. Besonders interessante Fragestellungen und Antworten sind in untenstehender Info-Box zusammengefasst.

 

Die Kontaktminimierung sollte an erster Stelle stehen

 

Auf die Eigenverantwortung von Personen und Unternehmen hinzuweisen, war eines der Anliegen der beiden Referenten. „Das was mich an der ganzen Corona-Diskussion stört ist u.a. die ständige Frage nach noch mehr Tests. Wie können wir noch mehr Testungen durchführen? Können wir denn nicht jeden Tag Schnelltestungen durchführen? Aber: Mit Tests können wir die Pandemie nicht beenden“, so Dr. Bojara. Es werde viel zu wenig daran gedacht, was man selber tun könne, nämlich Kontakte minimieren und Abstand halten. „Das ist eigentlich das, was an erster Stelle stehen sollte!“

 

Nicht alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, ist sinnvoll

 

Selber zielführend handeln, sieht auch der Leiter der Abteilung Infektionsschutz Tenhaken als wichtigen Punkt: „Nicht alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, ist damit automatisch sinnvoll und sollte gemacht werden.“ So hätten beispielsweise viele Unternehmen ein sehr gutes Hygienekonzept für die Arbeitsplätze. Das bringe jedoch wenig, wenn die Mitarbeitenden dann in der Pause ohne Maske mit einem Kaffee in großer Gruppe in der kleinen unbelüfteten Teeküche ständen. „Hier ist jeder selbst gefordert, auch ohne explizites Verbot den eigenen Verstand zu benutzen.“

 

Restriktive Vorgaben des Landes

 

Die Referenten wiesen auch darauf hin, dass es gerade bei der Erstattung von quarantänebedingten Verdienstausfällen durch das Land Niedersachsen ganz enge Vorgaben gäbe. Eine genaue Dokumentation sei hier sehr wichtig. „Bevor man als Unternehmen weitreichende Maßnahmen wie eine freiwillige Absonderung von Personal beschließt, empfehlen wir eine Rücksprache mit unserem Hause, um Unwägbarkeiten von vornherein abzuklären“, forderte Tenhaken die Unternehmen auf. Die notwendigen Formulare für eine mögliche Erstattung ständen auf der Internetseite www.corona-os.de bereit.

 

Persönlichkeitsrechte und Datenschutz wahren

 

„Macht es nicht Sinn, auch die Kontakte von engen Kontaktpersonen, beispielsweise Mitbewohner einer Wohngemeinschaft, mit in Quarantäne zu schicken und sollte ein Arbeitgeber nicht zwingend informiert werden, wenn ein Mitarbeitender positiv getestet wurde?“, formulierte Moratorien Schürmann Fragen aus dem Chat mit den Teilnehmenden. Das sahen die beiden Vertreter des Gesundheitsdienstes eher kritisch: „Jemand unter Quarantäne zu stellen, ist eine freiheitsentziehende Maßnahme. Üblicherweise werden diese durch Gerichte zum Beispiel bei einer Gefängnisstrafe ausgesprochen“, so Dr. Bojara. Vor diesem Hintergrund müsse gut abgewogen werden, wie stark im Rahmen der Pandemie in Persönlichkeitsrechte eingegriffen werden dürfe. Auch der Datenschutz müsse gewahrt bleiben, ergänzte Tenhaken. Der Weitergabe von Informationen seien deshalb sehr enge Grenzen gesetzt.

 

Ungewissheit zur Dauer des Impfschutzes

 

Am Ende der Veranstaltung gaben die Vertreter des Gesundheitsdienstes noch einen Ausblick auf das Thema Impfen. Die Impfzenten in der Region seien gut vorbereitet, man könne zurzeit aber noch nicht beurteilen, wann wieviel Impfstoff zur Verfügung stehen. In jedem Fall werde es noch einige Zeit dauern, bis nicht nur die Risikogruppen, sondern ein erheblicher Teil der Bevölkerung geimpft sei. „Dabei ist zu beachten, dass sowohl eine durchgestandene Corona-Infektion als auch eine Impfung keine letztendliche Sicherheit vor Corona bedeutet. Wir wissen zum Beispiel aktuell noch nicht, wie lange der Impfschutz anhält“, fasste Gesundheitsdienstleiter Dr. Bojara zusammen. Deshalb gelte nach wie vor und für zumindest die nähere Zukunft sowohl im Privatleben als auch im Unternehmen: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen sowie regelmäßig Lüften.

 

 

Bildunterschrift: Dr. Gerhard Bojara (oben links) und Peter Tenhaken (unten links) vom gemeinsamen Gesundheitsdienst Landkreis und Stadt Osnabrück beantworteten die von Moderatorin Sandra Schürmann zusammengefassten Teilnehmerfragen. (Foto: WIGOS/Eckhard Wiebrock)

 

 

Fragen aus der Info-Veranstaltung „Corona im Unternehmen“:

 

1. Wie soll ich mich verhalten, wenn ein Mitarbeiter Symptome zeigt?

 

„Wenn jemand Krankheitssymptome hat, gehört er/sie nicht an den Arbeitsplatz, … seit Corona sollte man auch nicht mehr mit Bagatellzeichen zur Arbeit gehen, deshalb Mitarbeitende besser direkt zum Arzt schicken, … gleichzeitig sollte man im Hinterkopf haben, ob diese Person ggf. Covid-Fälle in ihrer Umgebung hatte.“

 

 

2. Kann man beeinflussen ob ein Arzt einen Verdachtsfall testet oder nicht?

 

„Jeder niedergelassene Arzt entscheidet für sich selbst, … jedem Betrieb steht es natürlich frei, (Schnell-)Tests entgeltlich durchzuführen.“

 

 

3. Was ist zu tun, wenn jemand positiv getestet wurde?

 

„Positive Laborbefunde gehen an den Gesundheitsdienst. Es wird in den meisten Fällen nach Kontakten zwei Tage zuvor recherchiert, auch im Unternehmen. Enge Kontakte werden unter Quarantäne gestellt, Unternehmen können mit Kontaktdaten unterstützen, … inzwischen sind Infizierte häufig zum Beispiel über die Corona-App schneller über die Ergebnisse der Tests informiert als das Gesundheitsamt, dann sollte die Person selbst direkt auf den Gesundheitsdienst zugehen und nicht warten, bis sie angesprochen wird, … alle sind gefragt, vorausschauend aktiv zu werden.“

 

 

4. Kann eine in Quarantäne befindliche enge Kontaktperson eines Infizierten durch einen zwei Tage später durchgeführten negativen Test wieder arbeiten?

 

„Ein negatives Testergebnis kann an der mindest 10-tägigen Quarantäne nichts ändern, … der Test ist nur eine Moment-Aufnahme, ein Ausbruch der Krankheit in den darauffolgenden Tagen kann dennoch erfolgen.“

 

 

5. Wenn Mitarbeitende zur Montage länger als 72 Stunden ins Ausland, zum Beispiel in ein Risikogebiet, müssen: Dürfen sie nach der Rückreise gleich wieder eingesetzt werden?

 

„Nein, sie müssen in Quarantäne, … es gibt eine Sonderregelung für unaufschiebbare Auslandseinsätze, ein normaler Montageeinsatz im Ausland gehört jedoch nicht hierzu.“

 

 

6. Ein ausländischer Mitarbeiter möchte in den Heimaturlaub in ein Risikogebiet. Wer zahlt die anschließende Quarantäne?

 

Grundsätzlich gehen Reisen in Risikogebiete sowie deren Folgen zu Lasten des Reisenden. In wenigen Fällen sieht die Quarantäneverordnung allerdings Ausnahmen vor. Dazu sollte jeweils in der Corona Hotline (0541 501 1111) nachgefragt werden.

 

 

7. Wie erhält man eine Erstattung des Verdienstausfalls?

 

„Wenn ein „gelber Schein“ vorliegt, dann erfolgt der normale Ablauf einer Krankschreibung, … bei einer behördlich angeordneten Absonderungsquarantäne geht der Arbeitgeber in Vorleistung und bekommt dann eine Erstattung (67 Prozent des Durchschnittsverdienstes nach 6 Tagen, nicht wie früher nach 6 Wochen).“

 

 

8. Welche Vorsichtsmaßnahmen kann man als Arbeitgeber treffen?

 

„Die Kontaktminimierung steht an erster Stelle, … Homeoffice kann das Risiko der Weitergabe stark reduzieren, … Außendienstarbeiten sollten so weit wie möglich reduziert werden, … es gilt Maske tragen, Abstand halten, regelmäßig lüften, … ein schriftliches Hygienekonzept hilft, Struktur in die Herausforderung zu bringen und alle Mitarbeitenden zu informieren.“

 

 

9. Kann man durch eine FFP2-Maske eine Quarantäne vermeiden?

 

„Das kommt auf die konkrete Situation an, … die Maske schützt in erster Linie vor der Tröpfcheninfektion, … je länger man sich im Raum aufhält, desto größer ist das Aerosol-Risiko. Davor schützt Maske nicht, … auch mit einer FFP2-Maske kann es zu einer Quarantäne kommen.“

 

 

10. Sind Arbeitgeber verpflichtet, für alle Arbeitnehmer Masken kostenfrei zur Verfügung zu stellen?

 

„Es gibt keine entsprechende gesetzliche Regelung, … manche Unternehmen tun es trotzdem auf freiwilliger Basis.“

 

 

11. Gibt es eine Bescheinigung für die Systemrelevanz eines Unternehmens?

 

„Nein, solche Bescheinigungen werden in Niedersachsen nicht ausgestellt. , … die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts für eine Systemrelevanz sind auf sehr hohem Niveau, … Ausnahmeregelungen seitens des RKI gibt es nur für besondere Bereiche wie z.B. die Aufrechterhaltung der medizinischen und pflegerischen Versorgung.

 

 

12. Bezahlt jemand dem Unternehmen den Ausfall, wenn Eltern zur Betreuung der Kinder zu Hause bleiben?

 

„Hier muss man differenzieren: Wenn eine Gruppe in der Kita oder in der Schule unter Quarantäne gestellt wird auf Grund einer infektionshygienischen Maßnahme, dann kann bei Kindern unter dem 12. Lebensjahr auch für einen Sorgeberechtigten der Ausfall geltend gemacht werden, … wenn beispielsweise eine Kita nur geschlossen ist, gilt dies nicht, … aktuell gibt es hierzu jedoch einen noch nicht beschlossenen Gesetzesentwurf.“ (Update: Inzwischen sind entsprechende Regelungen seitens des Bundesgesetzgebers in Kraft getreten.)

 

 


https://www.wigos.de




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