Das Regionale Zukunftszentrum Nord beleuchtet das Thema Cybersicherheit: Der IT-Sicherheitsexperte Patrick Jung gibt dabei Tipps, wie sich kleine und mittlere Unternehmen schützen können.
KI beschleunigt nicht nur Unternehmensprozesse. Durch Künstliche Intelligenz nimmt auch die Zahl der Cyberangriffe zu. Cyberkriminelle können Sicherheitslücken schneller finden und leichter ausnutzen, Angriffe automatisieren und Phishing-Mails immer gezielter auf einzelne Personen zuschneiden. Waren kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor KI häufig noch uninteressanter, weil sich der Aufwand nicht lohnte, geraten sie jetzt stärker unter Druck.
„Cybersicherheit ist immer häufiger Thema in unseren Beratungen“, berichtet Martin Kater, Gesamtprojektleiter Regionales Zukunftszentrum Nord (RZ.Nord). Das gemeinsame Projekt der Bildungswerke der Arbeitgeber, gewerkschaftlicher Bildungsvereinigungen und von KI-Expertinnen und KI-Experten aus Wirtschaft und Forschung in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein unterstützt Unternehmen in Norddeutschland dabei, die Chancen der digitalen Transformation zu nutzen und zugleich die damit verbundenen Risiken im Blick zu behalten. „Die Entwicklung zeigt dabei deutlich, dass Digitalisierung, KI und Cybersicherheit nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Wer neue digitale Lösungen einführt, muss die Sicherheit von Daten, Zugängen und Prozessen berücksichtigen“, so Kater.
Die zunehmende Dynamik bei Cyberangriffen bestätigt auch IT-Sicherheitsexperte Patrick Jung. Mit seinem Praxis-Impuls bei der RZ.Nord-Veranstaltung „KI.Compliance.Sicherheit – Orientierung und Umsetzung für kleine und mittlere Unternehmen“ in Bremen hatte der Gründer und Inhaber von ISB Plus bereits an die KMU appelliert, dem Thema die nötige Bedeutung einzuräumen. Ein Beispiel: Wird heute eine Schwachstelle in einer Software bekannt, kann man per KI sehr schnell einen sogenannten Exploit, im Prinzip digitales Werkzeug für Einbrecher, bauen lassen. Lag der durchschnittliche Zeitraum zwischen Bekanntwerden und Ausnutzung einer Schwachstelle 2025 noch bei 21,5 Tagen, sind es 2026 nur noch 1,9 Tage. Immer häufiger finden Cyberangriffe bereits am Tag des Bekanntwerdens statt.
Drei Schutzmaßnahmen, die sich schnell umsetzen lassen
Entsprechend rät Jung, kleinen und mittleren Unternehmen, ihr Sicherheitsniveau unbedingt zu erhöhen – nicht ohne drei Tipps zu geben, wie das bereits mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen gelingt. Erstens sollten KMU ihre Mitarbeitenden überall dort, wo es möglich ist, zusätzlich zum Passwort zu einer Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) verpflichten. „Das Passwort allein ist ein Auslaufmodell“, sagt Jung. Passkeys erhöhen die Sicherheit im Netz deutlich. Zweitens sollten administrative Rechte auf möglichst wenige Konten beschränkt und strikt von den persönlichen Nutzerkonten der Beschäftigten getrennt werden. Dritte Maßnahme zum schnellen Schutz vor Cyberangriffen ist für Jung die konsequente, möglichst automatische Durchführung von Software-Updates. Insbesondere Arbeitsplatzrechner und Systeme, die aus dem Internet erreichbar sind, sollten Sicherheitsupdates erhalten, sobald diese verfügbar sind. Bei Produktionssystemen müsse zwar differenzierter vorgegangen werden, angesichts des immer schnelleren Ausnutzens bekannter Schwachstellen wird aber auch hier die Zeit für Aktualisierungen zunehmend zum Sicherheitsfaktor.
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Identitätsdiebstahl und digital unterstützte Betrugsversuche nehmen zu
Zu den aktuell häufigen Angriffsmethoden zählen laut Jung vor allem Identitätsdiebstahl und digital unterstützte Betrugsversuche. Ein klassisches Beispiel sind manipulierte Rechnungen oder Nachrichten über angeblich geänderte Bankverbindungen. Besonders schwer zu erkennen werden solche Angriffe, wenn Kriminelle zuvor Zugriff auf ein E-Mail-Konto erlangt haben. Sie können bestehende Konversationen übernehmen und mit einer ähnlich klingenden Absenderadresse fortsetzen. Für Empfängerinnen und Empfänger erscheint die Nachricht dadurch zunächst plausibel.
Auch der Diebstahl weiterer Zugangsdaten folgt zunehmend diesem Prinzip. Über kompromittierte E-Mail-Konten werden bekannte Kontakte angeschrieben und beispielsweise auf gefälschte Anmeldeseiten gelockt. Werden dort Zugangsdaten eingegeben, kann sich der Angriff über die neu übernommenen Konten weiterverbreiten.
KMU im Fokus von Cyberkriminellen
Für kleine und mittlere Unternehmen ist diese Entwicklung besonders relevant. Denn während größere Unternehmen häufig eigene Fachabteilungen für IT-Sicherheit beschäftigen, fehlen in KMU vielfach personelle und finanzielle Ressourcen sowie das notwendige Spezialwissen. Hinzu kommt, dass Sicherheitsmaßnahmen mit zusätzlichen Kosten und Aufwand verbunden sind und ihr konkreter Nutzen im Arbeitsalltag nicht immer unmittelbar erkennbar ist.
Cybersicherheit gehört zur digitalen Transformation
Das RZ.Nord berät kleine und mittlere Unternehmen und ihre Beschäftigten kostenfrei bei Fragen rund um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Ziel ist es, Unternehmen praxisnah dabei zu unterstützen, geeignete Maßnahmen zu identifizieren und digitale Transformation sicher zu gestalten. In seiner Beratung setzt das RZ.Nord grundsätzlich auf individuelle und pragmatische Lösungen, die sich an den konkreten Arbeitsprozessen und Voraussetzungen der Unternehmen orientieren.
Quelle: Pressemitteilung Regionales Zukunftszentrum Nord
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