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Interview mit Dr. Therese Kirsch: Nachhaltigkeit ist kein „Nice-to-have“

Impulsberatung zum Thema Nachhaltigkeit
Foto: © WIGOS - Eckhard Wiebrock

Die WIGOS bietet interessierten Unternehmen in Kooperation mit der Agentur pfadwechsel eine kostenfreie Impulsberatung Nachhaltigkeit an. Warum das Thema wichtig ist, erläutert Dr. Therese Kirsch von Agentur pfadwechsel in einem Interview.

Redaktion:
Nachhaltigkeit bekommt in den Medien weniger Aufmerksamkeit. Ist das Thema passé oder warum sollten sich Unternehmen immer noch damit beschäftigen?

Dr. Therese Kirsch:
Auch wenn Nachhaltigkeit in den Medien aktuell weniger Raum bekommt, sind viele Unternehmen weiterhin mit steigenden Kundenanforderungen und verschiedenen regulatorischen Veränderungen konfrontiert. Nachhaltigkeit ist kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein echter Zukunftsfaktor. Unternehmen, die sich jetzt strukturiert mit Nachhaltigkeit befassen, sichern nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit, sondern schaffen Stabilität, Resilienz und neue Chancen für die Zukunft. So sind sie besser auf kommende Marktveränderungen, gesetzliche Pflichten und die Erwartungen ihrer Kunden vorbereitet.


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Redaktion:
Aber fühlen sich viele Unternehmen von dem Thema eher überfordert?

Dr. Therese Kirsch:
Ganz genau. Ich erlebe häufig, dass Unternehmen wissen, dass sie etwas tun sollten – aber nicht, wie und wo sie sinnvoll anfangen können. Die Impulsberatung nimmt diese Überforderung. Es geht nicht um Perfektion oder sofortige Komplettlösungen, sondern um Klarheit, Fokus und realistische erste Schritte, die zum jeweiligen Unternehmen passen.Die Unternehmen gehen mit einem klaren Überblick über ihren aktuellen Stand, einer strukturierten Einordnung der relevanten Themen sowie konkreten, umsetzbaren Maßnahmen aus der Beratung. Viele schätzen besonders, dass sie Prioritäten setzen können und wissen, was als Nächstes sinnvoll ist – statt sich im „Nachhaltigkeits-Dschungel“ zu verlieren.


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Foto: © Fotolia - Omika


Redaktion:
Können Sie es noch konkreter machen? Wie unterstützt die Impulsberatung z. B. beim Einstieg in eine Klimastrategie?

Dr. Therese Kirsch:
Viele Unternehmen wissen, dass sie Emissionen reduzieren sollen, wissen aber nicht, wo sie anfangen können. In der Impulsberatung erarbeiten wir zunächst einen realistischen Überblick über die wesentlichen Emissionstreiber im Unternehmen – pragmatisch und ohne unnötige Komplexität. Dafür gibt es auch verschiedene kostenfreie Tools, die Unternehmen nutzen können.Darauf aufbauend entwickeln wir gemeinsam erste sinnvolle Maßnahmen. Neben naheliegenden Ansätzen wie dem Wechsel zu Ökostrom oder der Analyse von Effizienzpotenzialen in Maschinen ist es besonders spannend, die Mobilität zu betrachten und kreative Ideen zu entwickeln, wie jede und jeder Einzelne im Betrieb einen Beitrag leisten kann. Entscheidend ist, dass die Klimastrategie zum Unternehmen passt und konkret umsetzbar ist – nicht theoretisch, sondern alltagstauglich.

Redaktion:
Ressourcen werden teurer und knapper. Wie können Unternehmen Potenziale für Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz entlang ihrer Wertschöpfungskette entdecken?

Dr. Therese Kirsch:
In der Impulsberatung schauen wir ganzheitlich auf die Produkte: Woraus werden sie hergestellt, wie entstehen sie, und was passiert während und nach der Nutzung? Schwachstellen lassen sich dabei häufig schnell identifizieren, und mit der richtigen Methodik ergeben sich konkrete Hebel für mehr Ressourceneffizienz oder für das Schließen von Kreisläufen. Oft können bereits kleine Anpassungen den Materialeinsatz, Abfall und damit auch Kosten reduzieren. Gleichzeitig eröffnen zirkuläre Ansätze neue Geschäfts- und Innovationspotenziale – ein klarer wirtschaftlicher Vorteil.

Redaktion:
Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Führungsebene bei der Transformation?

Dr. Therese Kirsch:
Nachhaltigkeitsmaßnahmen wirken am besten, wenn sie strategisch verankert sind – und das beginnt bei der Führung. In der Impulsberatung zeige ich, wie Nachhaltigkeit als Führungsaufgabe verstanden und in Entscheidungsprozesse integriert werden kann. Es geht darum, Orientierung zu geben, Mitarbeitende mitzunehmen und Nachhaltigkeit schrittweise in Unternehmenskultur und Strategie einzubetten. Das stärkt nicht nur die Zukunftsfähigkeit, sondern auch die Identifikation der Mitarbeitenden. Und häufig sind Unternehmen auch überrascht, wie viel Motivation das eigene Team einbringt, wenn dafür Raum geschaffen wird.

Redaktion:
Nachhaltigkeitsberichterstattung klingt für viele nach viel Bürokratie. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Therese Kirsch:
Ich setze bewusst auf einen niedrigschwelligen Einstieg mit vielfältiger Nutzbarkeit. Eine freiwillige Berichterstattung schafft Transparenz – intern ebenso wie gegenüber Kunden und Geschäftspartnern. Die Ergebnisse lassen sich anschließend in unterschiedlichen Formaten kommunikativ nutzen.Bei der Erstellung geht es darum, Nachhaltigkeit sinnvoll zu strukturieren – ohne unnötigen Aufwand. Der freiwillige europäische Standard (VSME) bietet insbesondere für KMU einen strukturierten und machbaren Einstieg. In der Impulsberatung erkläre ich verständlich, wie die Online-Plattform des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) als kostenfreies Tool genutzt werden kann.

Redaktion:
EmpCo, DPP, Lieferkettenanforderungen oder Kundenanfragen schaffen Druck von außen. Wie hilft die Impulsberatung Unternehmen dabei, diese Entwicklungen einzuordnen und sich rechtzeitig vorzubereiten?

Dr. Therese Kirsch:
Schon allein die Vielzahl an Abkürzungen sorgt für Verunsicherung. Hinzu kommen teils sehr kontroverse mediale Diskussionen, die wiederum in Verschiebungen oder Anpassungen von Regulierungen münden. Gleichzeitig stellen Kunden konkrete Anfragen nach Nachweisen und Bestätigungen. In der Impulsberatung ordne ich diese Entwicklungen ein, und wir erarbeiten gemeinsam, was für das jeweilige Unternehmen tatsächlich relevant ist – und was nicht. Ziel ist es, Sicherheit zu schaffen und Unternehmen in die Lage zu versetzen, proaktiv zu handeln, statt nur zu reagieren. Wer frühzeitig versteht, welche Anforderungen kommen, kann diese strategisch nutzen und sich Wettbewerbsvorteile sichern. Abschließend ist meine Empfehlung: Warten Sie nicht auf den „perfekten Zeitpunkt“. Nachhaltigkeit ist ein Entwicklungsprozess. Wer heute beginnt, verschafft sich Orientierung, Sicherheit und Gestaltungsspielraum für morgen. Die Impulsberatung bietet dafür einen idealen, praxisnahen Einstieg.

Weitere Informationen und Anmeldung: Nachhaltigkeit in Unternehmen

Bildunterschrift:

André Schulenberg, Nachhaltigkeitsexperte der WIGOS, und Dr. Therese Kirsch, Agentur pfadwechsel, bieten Unternehmen unter anderem eine kostenlose Nachhaltigkeitsberatung an.

Foto: Eckhard Wiebrock / WIGOS


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