Der Niedersächsische Außenwirtschaftstag bringt jährlich exportorientierte Unternehmen zusammen. Höhepunkt ist die Verleihung des mittlerweile 16. Außenwirtschaftspreises, mit dem herausragende Leistungen im globalen Geschäft gewürdigt werden.
Dieses Jahr konnte sich unter den 30 Bewerben ein Kandidat aus unserer Region durchsetzen: Keil Anlagenbau aus Bohmte schaffte es aufs Siegertreppchen. Die IHK sprach dazu mit Giuliana Prahl-Cavaliere, Vertriebs- und Marketingmitarbeiterin bei Keil Anlagenbau, darüber, wie der Wettbewerb im Hintergrund abläuft.
Mit der HANNOVER MESSE als internationalem Besuchermagnet findet seit 2005 jährlich auch der Niedersächsische Außenwirtschaftstag statt – eine etablierte Plattform für exportorientierte Unternehmen, die sich dieses Jahr im Expowal versammelten. Der diesjährige Außenwirtschaftstag stand unter dem Leitthema „Hidden Markets“ und widmete sich der Frage, welche bislang wenig beachteten Länder und Regionen niedersächsischen Unternehmen neue Wachstumschancen eröffnen.
Ein zentraler Programmpunkt ist die Verleihung des Außenwirtschaftspreises durch Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne. Mit diesem Preis werden Unternehmen ausgezeichnet, die besondere Leistungen im internationalen Geschäft erbringen, seien es innovative Strategien oder besondere Exporterfolge. Eine unabhängige Jury unter dem Vorsitz von Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier und Vertretern der IHK Hannover, NBank sowie weiterer Verbände traf die Entscheidung.
Bereits eine Nominierung ist ein bedeutender Meilenstein für ein Unternehmen. Neben erhöhter Sichtbarkeit und der Möglichkeit, eigene Exporterfolge eindrucksvoll zu präsentieren, erhalten die Nominierten einen professionell produzierten Imagefilm, der während der Preisverleihung gezeigt und danach frei genutzt werden kann. „Auch für unsere Mitarbeitenden ist ein solcher Film ein starkes Identifikationsinstrument. Er zeigt, was wir gemeinsam leisten, und macht unseren Beitrag auf internationaler Ebene sichtbar“, so Prahl-Cavaliere.
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Ausgezeichnet werden Unternehmen in zwei Kategorien, „Kleine und mittlere Unternehmen“ und „Großunternehmen“. Daneben wurde 2024 erstmals ein „Sonderpreis der Jury“ verliehen, für Unternehmen, die aus den Bewerbungen hervorstechen, dabei den klassischen Kategorien des Außenwirtschaftspreises nicht genau zugeordnet werden können. So fiel Keil Anlagenbau durch ein besonders gutes Ausbildungssystem und eine starke Exportentwicklung auf – dem Unternehmen gelang es, innerhalb weniger Jahre die Exportquote auf 40 % zu verdoppeln – und holte den Sieg in unsere Region.
Keil Anlagenbau in Bohmte bietet Lösungen im Bereich des Anlagen- und Maschinenbaus. Mit über 50 Jahren Erfahrung und einem Team von rund 140 Mitarbeitern entwickelt das Unternehmen maßgeschneiderte Anlagenkonzepte für unterschiedliche Industriezweige.
Frau Prahl-Cavaliere, Sie sind in der Kategorie „Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)“ nominiert. Was hat Sie dazu motiviert, sich erneut für den Niedersächsischen Außenwirtschaftspreis zu bewerben?
Unsere Bewerbung für den Niedersächsischen Außenwirtschaftspreis ist das Ergebnis einer klaren strategischen Weiterentwicklung unseres internationalen Geschäfts. Als mittelständisches Unternehmen im Anlagenbau sind wir stark exportorientiert und bewegen uns in einem technisch anspruchsvollen, global wettbewerbsintensiven Umfeld. In den vergangenen Jahren haben wir unsere internationale Präsenz weiter ausgebaut, bestehende Märkte vertieft und gleichzeitig neue Regionen erschlossen.
Dabei ging es uns nicht nur um Wachstum, sondern auch um die nachhaltige Etablierung unserer Technologien und Qualitätsstandards in unterschiedlichen Märkten. Die Teilnahme ist für uns eine bewusste Standortbestimmung: Wir wollen sichtbar machen, wie sich unser Unternehmen im internationalen Kontext entwickelt hat, und gleichzeitig Impulse durch den Vergleich mit anderen erfolgreichen KMU gewinnen. Zudem bietet der Preis eine wertvolle Plattform, um unsere Leistungsfähigkeit im Export und unsere Innovationskraft im Anlagenbau nach außen zu kommunizieren.
Wir werfen gern einen Blick hinter die Kulissen: Wie lief das Bewerbungsverfahren für Sie ab?
Das Bewerbungsverfahren war für uns kein isolierter Prozess, sondern eng mit unserer eigenen strategischen Analyse verknüpft. Wir haben die Bewerbung bewusst genutzt, um unsere internationale Entwicklung der letzten Jahre strukturiert aufzubereiten und zu reflektieren. Im Mittelpunkt stand dabei die systematische Darstellung unseres Auslandsgeschäfts – von den ersten internationalen Projekten bis hin zu unserer heutigen globalen Präsenz. Dabei ging es uns weniger um einzelne Kennzahlen, sondern vor allem um die dahinterliegenden Entwicklungen: die enge Begleitung unserer international expandierenden Kunden, die zunehmende Bedeutung des Exportgeschäfts für unser Unternehmen sowie die kontinuierliche Erschließung neuer Märkte und Projekte weltweit.
Der Prozess selbst war klar strukturiert, gleichzeitig jedoch anspruchsvoll, da nicht nur Fakten abgefragt wurden, sondern insbesondere eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Strategie, den Erfolgsfaktoren sowie der unternehmerischen Entwicklung erforderlich war. Genau darin lag für uns der Mehrwert: Wir konnten unsere Entwicklung vom regionalen Anbieter zum international tätigen Anlagenbauer noch einmal klar herausarbeiten und unsere Stärken gezielt schärfen. Insgesamt haben wir das Bewerbungsverfahren als sehr wertvoll wahrgenommen, weil es uns die Möglichkeit gegeben hat, unser Auslandsgeschäft ganzheitlich zu reflektieren und strategisch einzuordnen.
Was bedeutet es für Ihr Unternehmen, in der Endrunde des Niedersächsischen Außenwirtschaftspreises zu stehen?
Für uns ist es eine große Anerkennung, in der Endrunde des Niedersächsischen Außenwirtschaftspreises zu stehen. Gerade als mittelständisches Unternehmen zeigt uns diese Nominierung, dass unsere Entwicklung im internationalen Anlagenbau und unser Engagement auf den Auslandsmärkten wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Besonders wichtig ist uns dabei die Wirkung nach innen: Die Nominierung ist ein starkes Signal an unsere Mitarbeitenden. Unser Auslandsgeschäft ist nur durch das tägliche Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen möglich – von Engineering und Fertigung über Projektmanagement bis hin zu Montageeinsätzen weltweit. Dass diese Leistung nun auf Landesebene sichtbar wird, ist für viele ein echter Motivationsschub und ein Zeichen von Wertschätzung.
Gleichzeitig stärkt die Auszeichnung auch unseren Standort in Hunteburg. Sie zeigt, dass international erfolgreiche Projekte nicht nur in großen Konzernen entstehen, sondern auch im niedersächsischen Mittelstand – getragen von Know-how, Teamarbeit und Verlässlichkeit. Insgesamt ist die Nominierung für uns eine Ehre und Bestätigung unseres Weges. Sie motiviert uns, unsere internationale Ausrichtung weiter konsequent voranzutreiben und gemeinsam als Team weiter zu wachsen.
Bereits die Nominierung bringt einen professionell produzierten Imagefilm mit sich. Wie möchten Sie diesen für Ihr Unternehmen nutzen?
Der Imagefilm ist für uns eine sehr wertvolle Möglichkeit, unser Unternehmen authentisch und professionell nach außen darzustellen. Gerade im internationalen Anlagenbau, wo Projekte erklärungsbedürftig und oft sehr komplex sind, hilft ein visuelles Format dabei, unsere Leistungen, unsere Arbeitsweise und unsere Unternehmenskultur greifbar zu machen. Wir werden den Film gezielt in mehreren Bereichen einsetzen: im Vertrieb, um potenziellen Kunden einen Eindruck von unserer Kompetenz und unseren Referenzen zu vermitteln, im Marketing – insbesondere auf unserer Website, in sozialen Medien und auf Messen – sowie im Recruiting. Gerade im Wettbewerb um Fachkräfte bietet der Film die Chance, Einblicke in unsere Projekte und den Arbeitsalltag zu geben und Keil Anlagenbau als attraktiven Arbeitgeber sichtbar zu machen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die interne Wirkung: Auch für unsere Mitarbeitenden ist ein solcher Film ein starkes Identifikationsinstrument. Er zeigt, was wir gemeinsam leisten, und macht unseren Beitrag auf internationaler Ebene sichtbar. Insgesamt sehen wir den Imagefilm als langfristig nutzbares Kommunikationsinstrument, das unsere Positionierung als international tätiger, mittelständischer Anlagenbauer stärkt und sowohl nach außen als auch nach innen Wirkung entfaltet.
Die Nominierten zeichnen sich unter anderem durch besondere Export-Erfolgsgeschichten aus: Welche größten Herausforderungen mussten Sie beim Eintritt in neue Märkte bewältigen?
Die größten Herausforderungen beim Eintritt in neue Märkte liegen für uns weniger im technischen Anlagenbau selbst, sondern vor allem in den unterschiedlichen Rahmenbedingungen vor Ort. Sobald ein Projekt in die Umsetzungsphase geht, treffen unsere Planungen auf länderspezifische Regularien, Genehmigungsprozesse, Sicherheitsvorschriften und rechtliche Anforderungen, die sich teils deutlich unterscheiden und auch kurzfristig ändern können.
Hinzu kommen organisatorische Themen, etwa bei der Entsendung von Montageteams, bei Visa- und Arbeitsgenehmigungen oder auch bei wechselnden Einreisebestimmungen. In solchen Situationen ist es entscheidend, flexibel zu bleiben und gleichzeitig die Projektqualität sicherzustellen – teilweise auch in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Eine weitere zentrale Herausforderung ist die Abwicklung internationaler Projekte in logistischer Hinsicht. Der Transport komplexer Anlagen, die Abstimmung mit verschiedenen Schnittstellen sowie Zoll- und Dokumentationsanforderungen erfordern viel Sorgfalt und Erfahrung.
Diesen Herausforderungen begegnen wir mit einem sehr praxisnahen Ansatz: durch frühzeitige Abstimmung aller Rahmenbedingungen, enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern vor Ort sowie durch eine flexible Projektorganisation. Über die Jahre haben wir ein belastbares Vorgehen aufgebaut, das uns hilft, auch unter anspruchsvollen Bedingungen verlässlich zu liefern. Diese Erfahrungen haben dazu beigetragen, dass wir neue Märkte heute deutlich routinierter und zielgerichteter erschließen können.
Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in den nächsten 5 bis 10 Jahren auf internationalen Märkten?
In den nächsten fünf bis zehn Jahren sehen wir uns als weiter gefestigten internationalen Partner im industriellen Anlagenbau, der seine Stärken gezielt in ausgewählten Märkten ausbaut. Unser Ziel ist dabei kein beliebiges Wachstum, sondern eine nachhaltige Weiterentwicklung unseres Auslandsgeschäfts – auf Basis unserer bestehenden Kundenbeziehungen und unserer technischen Spezialisierung. Wir werden weiterhin eng mit unseren international agierenden Kunden zusammenarbeiten und sie auch künftig bei der Expansion in neue Märkte begleiten. Gleichzeitig werden wir unsere Präsenz in bestehenden Regionen weiter vertiefen.
Ein wichtiger Fokus liegt zudem auf der Weiterentwicklung unserer internen Strukturen im Hinblick auf internationale Projekte – insbesondere in den Bereichen Projektabwicklung, Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg und Nutzung digitaler Möglichkeiten. Parallel dazu wird auch die internationale Ausrichtung in Vertrieb und Marketing weiter an Bedeutung gewinnen. Langfristig sehen wir uns als ein mittelständisches Unternehmen aus Niedersachsen, das weltweit tätig ist, dabei aber bewusst seine Identität und seine Wurzeln am Standort behält. Entscheidend bleibt für uns, dass wir auch in Zukunft für Qualität, Verlässlichkeit und individuelle Lösungen stehen – unabhängig davon, in welchem Markt wir tätig sind.
Bildunterschrift:
v.l.n.r. Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne, Sandra Arlt (kaufmännische Leiterin bei Keil), Giuliana Prahl-Cavaliere (Vertrieb & Marketing bei Keil), Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier
Quelle: IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim
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