Der Fachkräftemangel ist nach wie vor eine der zentralen Herausforderungen für die regionalen Betriebe. Nach IHK-Umfragen sieht gut jedes dritte Unternehmen der Region den Fach- und Arbeitskräftemangel als Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung; rund zwei Drittel der Betriebe berichten, offene Stellen nicht passend besetzen zu können.
Vor diesem Hintergrund widmete sich der diesjährige „Fachkräftetag Region Osnabrück 2026“ konkreten Ansätze gegen den Fachkräftemangel. Insgesamt tauschten sich rund 110 Vertreter aus Unternehmen und Institutionen der Region in der IHK aus. Der Fachkräftetag, der jetzt bereits zum dritten Mal stattfand, wird von sechs Partnern – der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dem Welcome & Work Center Landkreis Osnabrück (WWC), dem Welcome & Connect Center Osnabrück, der Agentur für Arbeit Osnabrück und der IHK – getragen.
Eröffnet wurde die von Christina Relius moderierte Veranstaltung mit einem Impulsvortrag von Dirk Kolhosser, Executive Creative Director und C-Level-Partner der MUUUH! Management GmbH, unter dem Titel „Arbeitgebermarke, Leitbild, Kultur: Ist das wichtig oder kann das weg?“. Kolhosser zeigte anhand von drei Thesen, warum sich Unternehmen gerade jetzt mit ihrer Leitidee, ihrer Marke und ihrer Kultur auseinandersetzen sollten – nicht aus Marketinggründen, sondern weil es insbesondere auch darum gehe, Menschen Sinn und Richtung zu vermitteln, um sie in eine positive Leistungsfähigkeit für das jeweilige Unternehmen zu bringen.
Entscheidend sei zunächst der Blick nach innen: Aus einer klaren unternehmerischen Leitidee ließen sich sowohl die Marke nach außen als auch die Kultur und Arbeitgebermarke nach innen ableiten. „Arbeitgebermarke, Leitbild und Kultur haben zunächst nichts mit Werbung zu tun, sondern mit der unternehmerischen Leitidee eines Unternehmens“, sagte Kolhosser. „Wer hier ehrlich ansetzt und seine Mitarbeitenden auf diesem Weg mitnimmt, schafft Sinn und Sicherheit – und genau das entscheidet heute darüber, ob ein Unternehmen für Fachkräfte attraktiv ist.“
Vielleicht auch interessant:
Foto: www.stock.adobe.com - REDPIXEL
Den Kern des Fachkräftetags bildeten die Workshops. So diskutierten die Teilnehmer im Workshop „Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität“, wie eine glaubwürdige Unternehmenskultur entsteht und Mitarbeitende langfristig gebunden werden können. Deutlich wurde: Arbeitgeberattraktivität ist eine unternehmerische Kernaufgabe. Neben einem transparenten und fair empfundenen Lohnkonzept zählen dazu vor allem gelebte Werte, Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten, Gestaltungsspielräume sowie eine gute Führung, die Mitarbeitern den Sinn ihrer Arbeit vermittelt und sie auf Augenhöhe einbindet.
Im Workshop „Personalentwicklung und -qualifizierung“ ging es insbesondere um den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Personalarbeit. Die Unternehmen schätzten ihren eigenen Umsetzungsstand überwiegend noch als gering ein; nur etwa ein Viertel bis ein Drittel setzt KI bereits in nennenswertem Umfang ein – vor allem, um Wissen zu sammeln, aufzubereiten und weiterzugeben. Als größte Hemmnisse nannten die Teilnehmer mangelndes Know-how, fehlende Ressourcen und Unsicherheiten beim Datenschutz.
Im Workshop „Anwerbung, Onboarding und Integration ausländischer Fachkräfte“ ging es um Wege, wie Betriebe Fachkräfte für die Region gewinnen, gut einarbeiten und dauerhaft integrieren können. Der Workshop „Fachkräftegewinnung national und international“ widmete sich Strategien und Instrumenten, mit denen Unternehmen Fachkräfte sowohl regional als auch über die Landesgrenzen hinaus ansprechen können. Die Erfahrungen der Unternehmen variierten dabei stark nach Betriebsgröße und Branche. So funktionierte etwa in einem kleinen Betrieb die Rekrutierung durch Empfehlungsprogramme gut, bei größeren Betrieben wiederum waren in kurzer Zeit ein Großteil der neu eingestellten Mitarbeiter wieder entlassen worden. Einigkeit bestand jedoch darin, dass die Einbindung der Belegschaft in den Rekrutierungsprozess – etwa bei Probearbeiten – sowie die Nutzung mehrerer Rekrutierungskanäle klare Vorteile bringen – ergänzt durch Ansätze wie die Reaktivierung von Rentnern gegen den Fachkräftemangel. Entscheidend für den Erfolg ist letztlich eine individuelle, auf Betrieb und Zielgruppe zugeschnittene Herangehensweise.
Quelle: Pressemitteilung Industrie- und Handelskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim
Weitere Wirtschaftsnews aus dem Osnabrücker Land ...
