Ausgetrocknete Böden, niedrige Pegelstände und wochenlange Hitze: Der Sommer 2026 zeigte mit ungewöhnlicher Deutlichkeit, dass die Folgen des Klimawandels im Alltag angekommen sind – zunehmend auch in den Betrieben der Region. Mit einem kostenlosen „Check-Up Klima-Risiken“ wollen die WIGOS und der Landkreis Osnabrück Unternehmen dabei unterstützen, mögliche Herausforderungen zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.
Wie angespannt die Situation inzwischen ist, zeigte sich direkt vor der Haustür: Stadt und Landkreis Osnabrück hatten aufgrund der anhaltenden Trockenheit im Sommer die Entnahme von Wasser aus Fließgewässern sowie die Grundwasserentnahme zur Beregnung eingeschränkt. Bereits zuvor hatten Kommunen und Wasserversorger die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit Wasser aufgerufen. Doch Wassermangel im Garten oder auf landwirtschaftlichen Flächen ist nur eine der sichtbaren Folgen des vergangenen Extremsommers.
Deutschlandweit führen zahlreiche Flüsse außergewöhnlich wenig Wasser. Frachtschiffe können teilweise nur noch mit reduzierter Ladung fahren. Für Unternehmen bedeutete dies höhere Transportkosten, verzögerte Lieferungen und im schlimmsten Fall fehlende Rohstoffe und Vorprodukte. Aus meteorologischen Gegebenheiten wird so ggf. schnell ein handfestes wirtschaftliches Problem.
Auch das Thema Energie bleibt von Hitze und Trockenheit nicht unberührt. In Ländern wie Frankreich, Ungarn und Rumänien mussten Kernkraftwerke auf Grund der niedrigen Pegelstände und des warmen Flusswassers gedrosselt oder Reaktoren zeitweise abgeschaltet werden. Dies ist relevant, weil Deutschland über den europäischen Strommarkt mit den Nachbarländern verbunden ist.
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Gravierend sind auch mögliche gesundheitlichen Folgen. Allein während der extremen Hitze Ende Juni geht das Robert Koch-Institut (RKI) von mehreren Tausend hitzebedingten Todesfällen aus. Die Zahlen machen deutlich, dass Hitze längst nicht nur unangenehm, sondern für besonders gefährdete Menschen lebensbedrohlich sein kann.
Klimarisiken treffen auch den Mittelstand
Was bedeuten solche Entwicklungen für ein Unternehmen im Osnabrücker Land? Die Antwort hängt stark von Branche, Standort und Geschäftsmodell ab. Ein Produktionsunternehmen kann Schwierigkeiten bekommen, wenn sich Montage- oder Lagerhallen stark aufheizen und Beschäftigte körperlich belastet werden. Andere Unternehmen sind von unterbrochenen Lieferketten abhängig oder benötigen große Mengen Wasser für ihre Produktion. Wieder andere tragen ein erhöhtes Risiko durch Starkregen, Überschwemmungen oder Sturmschäden an Gebäuden, Maschinen und Waren.
Hinzu kommen indirekte Folgen: Verspätet sich ein wichtiger Zulieferer wegen Transportproblemen, steigen Energie- oder Kühlungskosten stark an oder fallen Beschäftigte hitzebedingt häufiger aus, kann selbst ein Unternehmen betroffen sein, dessen eigener Standort vom Extremwetter zunächst verschont bleibt.
Eine Stunde für den Checkup Klimarisiken
Genau an diesem Punkt setzt der „Check-Up Klima-Risiken“ von WIGOS und Landkreis Osnabrück an. Die zentrale Frage lautet: Wie gut ist ein Unternehmen bereits auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet – und wo gibt es Risiken?
Im Mittelpunkt des Angebots steht ein rund einstündiges, kostenfreies und leitfadengestütztes Gespräch. Gemeinsam mit den Unternehmen wird systematisch untersucht, welche Auswirkungen von Hitze, Dürre, Starkregen, Hochwasser oder Sturm für den jeweiligen Betrieb relevant sein könnten. Dabei geht es nicht darum, allgemeine Klimaschutzkonzepte zu diskutieren. Vielmehr steht die konkrete Widerstandsfähigkeit des einzelnen Unternehmens im Mittelpunkt.
Wie abhängig ist der Betrieb beispielsweise von bestimmten Verkehrswegen oder einzelnen Lieferanten? Gibt es kritische Produktionsbereiche, in denen hohe Temperaturen zum Problem werden können? Sind Gebäude ausreichend gegen Starkregen geschützt? Was passiert, wenn Wasser zeitweise nur eingeschränkt verfügbar ist? Und gibt es für besonders gefährdete Bereiche bereits Notfall- oder Ausweichlösungen?
Die Ergebnisse werden anschließend in einem übersichtlichen Ampelsystem zusammengefasst. Das Unternehmen erhält ein Ergebnisprotokoll, das aufzeigt, in welchen Bereichen es bereits gut aufgestellt ist und wo Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig werden mögliche Maßnahmen genannt, mit denen sich erkannte Risiken reduzieren lassen.
Vorsorge statt Krisenmanagement
Dabei können schon vergleichsweise einfache Veränderungen Wirkung zeigen. Verschattung und verbesserte Lüftung können die Wärmebelastung in Arbeitsbereichen senken. Rückstauklappen oder mobile Hochwasserschutzelemente können Gebäude schützen. Zusätzliche Lieferanten oder alternative Transportwege können Lieferketten widerstandsfähiger machen. Auch eine systematische Notfallplanung kann entscheidend sein, wenn ein Extremwetterereignis tatsächlich eintritt.
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt allerdings vom jeweiligen Betrieb ab. Deshalb soll der Check keine Lösungen von der Stange liefern, sondern zunächst die individuellen Schwachstellen sichtbar machen.
Und die Beratung endet nicht mit der Analyse. Fachleute des Landkreises Osnabrück stehen den teilnehmenden Unternehmen auch anschließend für Fragen zur Verfügung. Bei speziellen Themen können darüber hinaus Partner aus einem entsprechenden Netzwerk eingebunden werden.
Unternehmen aus dem Landkreis Osnabrück können bei der WIGOS weitere Informationen zum kostenlosen „Check-Up Klima-Risiken“ erhalten und einen Beratungstermin anfragen. Der Check dauert etwa eine Stunde. Im Anschluss erhalten die teilnehmenden Betriebe eine Auswertung mit den wichtigsten Handlungsfeldern und möglichen Anpassungsmaßnahmen. Mehr Infos und Anmeldung unter www.wigos.de/klima-check.de.
